DAS POLYTRAUMA
| PHASE ALPHA |
| Lebensrettende Sofortmaßnahmen & Primary Survey |
| PHASE BRAVO |
| Dringliche Sofortmaßnahmen & Diagnostikbeginn |
| PHASE CHARLIE |
| Dringliche obligate Massnahmen der ersten Stunde |
| PHASE DELTA |
| Komplettierung von Diagnostik und Therapie |
SUFFIZIENTE POLYTRAUMATHERAPIE
Der Begriff „Polytrauma“ definiert eine Mehrfachverletzung, d.h. gleichzeitig entstandene Verletzungen verschiedener Körperregionen, von denen mindestens eine oder die Kombination mehrerer vital bedrohlich ist. Der polytraumatisierte Patient schwebt in Lebensgefahr, ohne daß die Ursache dafür gleich erkannt werden muß. Erste Forderung an eine suffiziente Behandlung ist daher die möglichst rasche Aufdeckung der vital bedrohlichen Verletzungen. Die Zeitsensibilität ist durch den Begriff der „Golden hour in shock“ von Cowley treffend dargestellt. Diese goldene erste Stunde, in der noch die Weichen für das weitere Schicksal des Patienten im Schock gestellt werden können, erfordert ein vollkonzentriertes Handeln unter Zeitdruck. Dies muß zugleich effektiv, sorgfältig und schnell erfolgen.
Wichtig ist daher sowohl ein klares Konzept für die medizinisch optimale Behandlungsstrategie wie auch eine allgemein akzeptierte Vorgehensweise hinsichtlich der organisatorischen Aufgaben (Einsatz von Rettungsmitteln, korrekte Information von Rettungsleitstelle und Vorinformation des Zielkrankenhauses). Die Qualifikation des Erstbehandelnden hat entscheidenden Einfluß auf das spätere Schicksal des Patienten. Sie basiert dabei nicht nur auf Wissen, sondern vielmehr auf Erfahrungen aus vergleichbaren Situationen. Die Behandlung eines Polytraumas nur nach Lehrbuchwissen über die Einzelverletzungen ohne Berücksichtigung ihrer Interaktionen und der möglichen Potenzierung von Verletzungsfolgen wird nicht erfolgreich sein. Auch in Zukunft werden viele Schwerverletzte zwangsläufig unter ungünstigen Bedingungen versorgt werden müssen. Es empfiehlt sich, dafür ein Organisationsschema des Behandlungsablaufes anzuwenden. Dieses kann sich in seiner diagnostisch-therapeutischen Sequenz an Algorithmen aus der Informatik orientieren und muss in jedem Fall auf die individuellen strukturellen und logistischen Besonderheiten des jeweiligen Krankenhauses abgestimmt sein.